GVF
Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung e.V.

Young Scientist Workshop

Workshop 2019: Vegane Ernährung und Vitamin B12

Mit freundlicher Unterstützung des Arbeitskreis Nahrungsergänzungsmittel im Lebensmittelverband Deutschland e. V.

Am 10. und 11. Oktober 2019 fand der GVF Young Scientist Workshop 2019 "Vegane Ernährung und Vitamin B12" am Fachbereich Oecotrophologie der Hochschule Fulda statt. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Marc Birringer (Hochschule Fulda), und Dr. Maria Wallert (Friedrich-Schiller-Universität Jena) wurde der Workshop als Auftaktveranstaltung der GVF Young Scientist Group von der Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung e. V. angeboten - mit freundlicher Unterstützung des Arbeitskreis Nahrungsergänzungsmittel im Lebensmittelverband Deutschland e. V..

Im Programm des zweitägigen Workshops ergänzten sich abwechslungsreiche Impulsvorträge namhafter Referent*innen zu aktuellen Forschungsschwerpunkten und interaktive Seminare zur Vertiefung fachlicher Kenntnisse. Die für die Gruppenarbeiten am 11. Oktober 2019 vorbereiteten Fragestellungen wurden anhand ausgewählter Literatur bearbeitet und im Plenum vorgestellt.

Zu den Referent*innen zählten Prof. Dr. Markus Keller (Fachhochschule des Mittelstands), welcher als Professor für Vegane Ernährung einen allgemeinen Überblick über den aktuellen Forschungsstand bot, Prof. Dr. Anja Kroke (Hochschule Fulda) mit einem Vortrag über die DGE-Stellungnahme zu Veganer Ernährung, Prof. Dr. Manfred Eggersdorfer (University of Groningen), der mit einem Überblick über Funktionen und Zufuhrempfehlungen den Schwerpunkt Vitamin B12 einleitete, Prof. Dr. Marc Birringer (Hochschule Fulda) mit einem Vortrag über die Analytik von Vitamin B12 und Prof. Dr. Helmut Hesecker (Universität Paderborn) mit einem Einblick in die Versorgung mit Vitamin B12 im Alter. Einen praktischen Zugang bot der finale Beitrag von Tim Ritzheim (Justus-Liebig-Universität Gießen), Absolvent der Hochschule Fulda und Mitglied der GVF Young Scientist Group, mit einer Vorstellung seiner Bachelorarbeit zu Veganer Kitaverpflegung, gefolgt von der abschließenden Podiumsdiskussion mit allen Referent*innen.

Der GVF Young Scientist Workshop 2019 richtete sich sowohl an Nachwuchswissenschaftler*innen als auch an interessierte Studierende deutschsprachiger Hochschulen, welche nach einer Anmeldung als studentisches Mitglied der GVF kostenlos an dem Workshop teilnehmen konnten. 

Zu den Teilnehmer*innen zählten nicht nur Studierende der Ernährungswissenschaften, Oecotrophologie, Diätetik und verwandter Studienfächer, sondern auch Promovierende sowie Absolventen dieser Fachgebiete. Somit eignete sich der GVF Young Scientist Workshop nicht nur zur Wissensvermittlung, sondern auch zur Vernetzung - denn die Teilnehmer*innen studieren an verschiedenen deutschsprachigen Universitäten mit entsprechenden Angeboten: Neben der Hochschule Fulda sowie der Friedrich-Schiller-Universität Jena waren unter anderem die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die Hochschule Niederrhein sowie die Donau-Universität Krems vertreten.

Die Referent*innen und Teilnehmer*innen des GVF Young Scientist Workshop 2019

 

Vitamin B12 (VB12) gehört zu den wasserlöslichen Vitaminen und ist essentiell für die Aufrechterhaltung des Energiestoffwechsels und Nervensystems, die Bildung roter Blutkörperchen sowie die Zellteilung. Da nur Mikroorganismen zur Synthese von VB12 befähigt sind, ist der Mensch auf eine nutritive Zufuhr oder Supplementation mit VB12 zur Aufrechterhaltung eines adäquaten Versorgungszustandes angewiesen. Geeignete Nahrungsquellen von VB12 in Form von Methylcobalamin sind Fisch, Fleisch, Eier und Milch. Das synthetische Cyanocobalamin ist deutlich stabiler als das natürlich vorkommende Methylcobalamin. Im Körper wird Cyanocobalamin in die bioverfügbaren Formen Methylcobalamin und 5'-Desoxyadenosylcobalamin umgewandelt. 

Erst im letzten Jahr hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) die Referenzwerte für VB12 auf 4 µg/d für gesunde Erwachsene erhöht. VB12 wird überwiegend in der Leber gespeichert. Da die Halbwertszeit von VB12 450 bis 750 Tage beträgt, tritt ein manifester Mangel erst nach mehreren Jahren in Erscheinung. Gründe für einen VB12-Mangel können sein: vererbbare Defizite in Bindeproteinen und Rezeptoren (Intrinsic Factor, Haptocorrin, Transcobalamin), Malabsorption, Mangelernährung, Magen- und Darmresektionen, die Einnahme von Medikamenten (Antidiabetika, Antibiotika) sowie ein erhöhter Alkoholkonsum. Die Symptome eines ausgeprägten Mangels sind vielfältig, unspezifisch, subtil und entwickeln sich schleichend. Am häufigsten sind Veränderungen des Blutbildes wie perniziöse Anämie, Atrophie der Schleimhäute, Zungenbrennen, Magen-Darm-Beschwerden, Parästesien, Schwäche, Ermüdbarkeit, Antriebsarmut, Schwindel und Depressionen.

Anders als bei anderen Mineralstoffen verlangt die Erfassung des VB12-Status eine mehrstufite Diagnose folgender Parameter: zugeführtes VB12, Intrinsic Factor, Methylmalonyl-CoA, Homocystein, Transcobalamin-B12 und Holocobalamin-B12 (derzeit bester Marker).

 

Laborreferenzwerte (Normwerte)

  • Serum Vitamin B12 (Cobalamin total) 310-1100 pg/ml bzw. 229-812 pmol/l
  • Holo-Transcobalamin (Holo-TC) intermediate 32-70, normal 70-125 pmol/l
  • Methylmalonsäure (MMA) <300 nmol/l bzw. 9,0-32,0 µg/ml
  • Homocystein <10 µmol/l

Weitere Parameter

  • Antikörper gegen Parietalzellen
  • Intrinsic Factor (IF)
  • Transglutaminase/Gliadin (Zöliakie)
  • Folat 10-36 nmol/l

Quelle: Wolffenbuttel et al., Mayo Clin Proc Inn Qual Out 2019;3(2):200-214

 

Laut der NVS I verzehren die Deutschen weitestgehend die von der DGE definierten Referenzwerte für VB12. Dennoch weisen ca. 30 % der Frauen und ca. 10 % der Männer einen VB12-Mangel auf. In bestimmten Lebensphasen (Schwangerschaft, Stillzeit, Alter, Erkrankungen) aber auch aufgrund bestimmter Ernährungsformen (Vegetarismus, Veganismus) liegt ein erhöhter VB12-Bedarf vor, der teilweise über eine Supplementation ausgeglichen werden sollte. Bei einer Supplementation von VB12 ist jedoch zu beachten, dass eine höhere Dosierung mit einer Verringerung der Bioverfügbarkeit einhergeht. Daher ist - in den meisten Fällen - eine tägliche Niedrigdosierung von 50 µg empfehlenswerter als eine Hochdosierung. Trotz der bekannten Risiken ist ein VB12-Mangel ein Problem in Deutschland - jedoch nicht unbedingt bei Veganer*innen, welche sich überwiegend des Risikos eines Mangels bewusst sind und ausreichend supplementieren. Ein erhöhtes Risiko eines Defizites ergibt sich demnach insbesondere für Mischköstler*innen und Vegetarier*innen.